FLOSSING

FLOSSING

WAS IST DAS UND WIE FUNKTIONIERT ES?
MEINE ERSTE ERFAHRUNG
Flossing ist eine wiederentdeckte Therapiemethode, die mit Hilfe eines Latex Bandes Schmerzen lindern und die Mobilität wiederherstellen soll.

Das erste Mal auf ,,Flossing" aufmerksam geworden bin ich 2014 im letzten Jahr meiner Fußballkarriere. Ich war gerade nach einer sehr langen Verletzung wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Meine Leisten waren die Belastung aber nach knapp 9 Monaten Pause nicht mehr gewohnt und haben sich nach jedem Training in Form von Schmerzen bei mir bedankt. Das war so stark, dass ich nach den ersten Trainingseinheiten schon gezweifelt habe, ob ich überhaupt nochmal richtig Fußball spielen kann.
Und da ich kein Freund von Cortison Spritzen war (immer noch nicht bin) und unsere Ärzte keine Alternative dazu wussten, habe ich im Internet nach anderen Methoden gesucht, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen. Hängen geblieben bin ich dann beim ,,Voodoo-Flossing" vom CrossFit Mobility Guru Kelly Starrett. Das hat mich neugierig gemacht, auch wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich geglaubt habe, dass es was bringen wird. Also habe ich mir sofort so ein ,,magisches" Latex Band besorgt und unter Anleitung von Youtube Videos angefangen meine Leisten damit zu umwickeln. Ein paar Kniebeugen und Jumping Jacks später habe ich das Flossing Band wieder entfernt und dachte ich träume. Die Schmerzen, die mich so fertig gemacht haben waren weg. Unglaublich! Danach habe ich 2 Wochen lang nach jedem Training meine Leisten geflosst um schmerzfrei zu sein. Diese Zeit hat mein Körper scheinbar noch gebraucht um sich wieder an die Belastung zu gewöhnen.

Was ist Flossing?
Dr. Kelly Starrett, CrossFit Mobility Guru, Physiotherapeut und Autor, beschreibt in seinem Buch - Werde ein geschmeidiger Leopard - einige Möglichkeiten mit dem Voodoo Flossing die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu minimieren [Starrett K., 2014, 2015]. Die Idee beim Flossing ist es, diese sehr effektive Trainingsmethode, für die praktische, therapeutische Behandlung verschiedener Ursachen wie z.B. Gelenksschmerzen zu nutzen. Dabei stehen akute und subakute Verletzungen der Gelenke, aber auch längerfristige Probleme im Fokus.







Wie wendet man Flossing an?
Das Flossingband ist ein 1 bis 2 mm dickes dehnbares Latexband. Es wird je nach Problem mit 50%-100% Zug und immer zur Hälfte überlappend um das zu behandelnde Gelenk gewickelt. Durch die entstehende Kompression und die Kraft des Bandes gegenüber der Hautoberfläche kommt es zu verschiedenen Effekten, die zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung des Bewegungsumfangs führen.
Für den Athleten / Patienten kann die Therapie anfangs ungewohnt sein. Die Dauer von ein bis drei Minuten sollte daher nicht überschritten werden. Verspürt der Athlet / Patient ein Kribbeln, ist das völlig in Ordnung. Das Flossing sollte aber abgebrochen werden, wenn
- die Haut weiß wird,
- die Stelle stark schmerzt,
- die Extremität taub wird.

Was passiert beim Flossing?
Das Flossing beruht auf drei wichtigen Grundeffekten: dem Schwammeffekt, dem Kinetic Resolve und der subcutanen Irritation. Diese drei Effekte wirken auf das Myofasziale System, das Lymphsystem und auf das vegetative System.

Schwammeffekt:
Das Verschnüren von Muskeln oder Gelenken mit dem Floss-Band sorgt für einen starken Druck. Die Blutzufuhr wird unterbunden, Flüssigkeit im Gewebe (zum Beispiel die Lymphe oder Stoffwechselendprodukte) ausgepresst. Wenn das Floss-Band nach der Behandlung wieder gelöst wird, strömt frische, nährstoffreiche Flüssigkeit ein. Die angefallenen Schadstoffe werden abtransportiert. Dieser Prozess regt Wachstum und Erneuerung der Zellen an.

Kinetic Resolve:
Kinetic Resolve bezeichnet das Lösen von Verklebungen (Adhäsionen), um Unterhautgewebeschichten, Faszien, Muskeln und Sehnen wieder gleitfähig zu machen.
Beim Flossing kommt es zu enormem Druck auf die behandelten Körperstellen, vergleichbar mit dem Unterdruck beim Schröpfen. Bei zusätzlicher Bewegung des geflossten Körperteils (durch den Patienten oder passiv durch den Therapeuten) wird das Gewebe entzerrt und Adhäsionen gelöst.
Der Effekt wird schmerzhaft verstärkt, wenn der Therapeut den geflossten Bereich zusätzlich mit den Händen verdreht (ähnlich dem Auswringen eines Handtuchs).

Subkutane Irritation:
Die subkutane Irritation ist einer der wichtigsten Effekte zur Schmerzreduktion. Den theoretischen Hintergrund dafür bildet die Gate-Control-Theorie. Wie bereits aus vielen anderen Techniken bekannt, lässt sich durch die Reizung von Mechanorezeptoren, Druck- und Bewegungsimpulsen im segmentalen Hinterhorn des Rückenmarks eine nozizeptive Hemmung erreichen. Diesen Effekt machen wir uns beim Flossing natürlich auch zu Nutze!

MEIN FAZIT
Flossing ist für mich ein nicht mehr wegzudenkender Anteil des Trainings geworden. Ich nutze es sehr gerne im Warm Up und um Bewegungseinschränkungen bzw. leichte Blessuren zu behandeln. Probier es doch mal selber aus. Ich bin gespannt wie du es findest.
19.02.2018